Unser Tag in Westerkappeln

Auf unserer Reise durch Europa waren wir, meine Frau Celia und ich, uns nicht sicher wann, oder ob wir die Zeit hätten, für einen vollen Tag in Westerkappeln. Der Plan war eigentlich die Vorfahren meiner Frau in den skandinawischen Ländern zu besuchen. Wie es sich ergab, waren wir am 13. Juli 1989 in Osnabrück und reservierten ein Hotelzimmer für zwei Nächte. Westerkappeln liegt gleich in der Nähe und somit stiegen wir am nächsten Morgen um 8 Uhr früh in den Bus, der uns nach Westerkappeln brachte.

Da wir unangemeldet in Westerkappeln erschienen, waren unsere Erwartungen sehr gering. Wir könnten vielleicht eine alte Ausgabe der Westfälischen Nachrichten von Juli 1988 finden, inder ein Bild von Celia und mir gedruckt war, oder sogar einen Blick in die Kirche werfen woher einst meine Vorfahren, die Freeses hergekommen sind. Auf dem Friedhof könnten wir nach bekannten Namen auf den Grabsteinen suchen.

Der Bus hielt in Westerkappeln und wir standen kurz danach vor der Kirche, aber alle Türen waren verriegelt. Nach einer Auskunft in der Bank hörten wir, daß das Büro der Westfälischen Nachrichten in einem anderen Ort lag, es bestand also keine Möglichkeit noch eine Kopie aus dem letzten Jahr zu bekommen.

Den Friedhof empfanden wir sehr groß mit tausenden von Gräbern. Nach kurzer Zeit, hatten wir schon einige bekannte Namen notiert, da sahen wir jemanden der dort wohl arbeitete und wir fragten ihn wo wir vielleich ältere Gräber fänden. Es stellte sich heraus, es war der Totengräber und er arbeitete schon 22 Jahre auf dem Friedhof. Wie er hörte, wer wir waren und was wir suchten, führte er uns ohne groß zu überlegen an die Gruft meiner Urgroßeltern und weitere Gräber der Freese Familien. Nach längerer Unterhaltung machten wir uns dann allein auf die Suche und fanden bekannte Namen wie: Bode, Becker, Twiehaus,Pieper, Schulte, Tiemann, Timmermann, Klausmeyer, Helmich, Hackmann, Schrör, Bierbaum, Jannaber, Tüpker, Hildebrand, Hildebrandt, Kuhn, Laumeyer, Niemeyer, Meier, Berlekamp, Schemme, Paul, Schwab, Ridder, Roloff, Bünemann, Bockmann und Richter.

Es war inzwischen Mittag geworden. Wir wollten was essen und nocheinmal versuchen in die Kirche zu gelangen, bevor wir uns zurück auf den Weg nach Osnabrück machten. Wir aßen in einem Cafe an der Bahnhofstraße und unterhielten uns mit dem Eigentümer, dem wir wiederum erklärten wer wir waren. Er meinte, wir sollten unbedingt Herrn Wiartalla, Redaktör der Westfälischen Nachrichten aufsuchen. Er zeichnete uns auf, wie wir ihn finden würden.

Wir folgten seinem Plan und kurz darauf standen wir vor seiner Tür und klingelten. Es meldete sich aber niemand und wir versuchten es noch einmal. Da wir keine Glück hatten, wollten wir nochmals den Weg zur Kirche gehen, um zu sehen ob vielleicht inzwischen eine Tür offen war, wie auf einmal Frau Wiartalla hinter uns stand und uns sehr freundlich in ihr Heim einlud. Sie rief gleich ihren Mann im Büro der Zeitung an, und bat ihn nach Hause zu kommen, es seien Gäste aus Cappeln Missouri da.

In der darauffolgenden Stunde führte uns Frau Wiartalla durch das Gelände des alten Rittergutes "Haus-Cappeln". Wir klopften an die Tür des Elternhauses von Hermann Rehmeyer, doch leider war seine Schwester nicht zu Hause.

Herr Wiartalla erschien kurz darauf und übergab uns zwei Kopien der Westfälischen Nachrichten vom letzten Jahr. Er schlug vor, ein Buch über Westerkappeln zu kaufen, indem die Auswanderer des letzten Jahrhunderts aufgeführt sind. Wir fuhren zur Buchhandlung und unterwegs erzählte ich Herrn Wiartalla von meinem Urgroßvater der von dem heutigen Bente hof stammt. Herr Wiartalla sagte gleich, wir wollten eben vorbei fahren, er kenne die Bentes sehr gut. Ich winkte ab um nicht die fremden Leute zu beläßtigen. Wenn wir abaer mal vorbei führen und den Hof nur mal sehen könnte, wäre ich schon glücklich. Herr Wiartalla fuhr aber gleich auf den Hof und kurz darauf lud man uns ein hereinzutreten.

Ein unbeschreibliches Gefühl überkam mich, in diesem großen Wohnzimmer zu stehen, wo einst mein Urgroßvater stand bevor er im Jahre 1842 nach Amerika auswanderte. Über der Feuerstelle standen im Bruchstein die Buchstaben, "JBJF-1796" aus dem Jahr wie das Haus gebaut wurde. Es war die Abkürzung des damaligen Besitzer, Johann Bernard Jürgen Freese.

Nach längerer Unterhaltung, natürlich nur auf deutsch, bis auf die kurzen Unterbrechungen wo ich meiner Frau das Gespräch in's englische übersetzte, was ich glaubte verstanden zu haben, fuhr Herr Wiartalla mit uns auf den Tassemeyer Hoff. Sie sind verwandt mit Familie Bente und wiederum gab es eine rege Unterhaltung mit den beiden Brüdern und ihrer Mutter. Sie erinnerte sich an einen Brief, den die Frau Alice Freese Molitor aus Missouri schickte, worin sie über den Zusammenhang der Verwandtschaft sprach. Sie suchten und fanden einen Brief mit einer Karte, worauf ihr Vater, der leider verstorben war, den Ort einzeichnete, wo seine vier Onkel sich in den USA niederließen. Nachdem wir wiedermal bewirtet waren, ging unsere Fahrt weiter bis auf den Redeker Hof.

Herr Wiartalla schlug vor, Herrn Redeker zu besuchen. Ein großer stattlicher Herr Rredeker begrüßte uns. Er ließ gleich alle Arbeir liegen um sich mit uns zu unterhalten. Herr Redeker holte einen großen Umschlag hervor, der mit dem Namen "Amerika" gekennzeichnet war und schmunzelte dabei, als ob er an vergangene Zeiten zurück dachte. Er erinnerte sich an einen Auswanderer der nach Amerika ging. Wie dieser Auswanderer eines Taes mal wieder deutschen Boden betrat, fragten ihn seine Freunde, ob er nich bleiben wolle, darauf antwortete dieser Herr, "Deutschland ist sehr schön, aber Amerika ist Amerika".

Herr Redeker zeigte uns noch eine sehr alte Kukuksuhr die über 200 Jahre alt war und weitere delikate Teller und Tassen, nicht dicker als ein blatt Papier.

Telefonisch versicherte sich Herr Wiartalla vor unserer abfahrt, daß wir noch die Chance hatten in die KIrche zu gelangen und das Ende einer Hochzeit miterleben durften. Anschließend wurden wir dem Pastor vorgestellt, der uns von der tausendjähringen Geschichte der Kirche erzählte. Er zeigte uns die Schlitze im Sandstein neben dem Eingang worin früher mal die Soldaten ihre Säbel stunften. Eine andere Sage erzählt, daß die Soldaten kleine Steinchen abbrachen und zermalten, dann mit Flüssigkeit tranken damit Gott sie beschütze.

Stunden waren vergangen, wir befanden uns wieder im Hause von Wiartallas und bedankten uns nochmals auf das Herzlichste, wie das Telefon klingelte. Es war Frau Bente, sie wollte mit mir sprechen und fragte mich, ob wir am nächsten Tag nochmal vorbei kommen könnten. Leider mußte ich absagen. Wir sprachen eine Weile und sie bat uns, eines Tages sie wieder zu besuchen. Ich versprach es ihr, sagte aber gleichzeitig, daß ich mich an meine Eltern erinnerte, wenn sie früher Besuche am Sonntagnachmittag machten und dann den Freunden sagten, "Jetzt müßt ihr uns erst einmal besuchen." Daraufhin lud ich sie ein, nach Amerika zu kommen.

Noch einmal verabschiedeten wir uns von Wiartallas und stiegen in den Bus, der uns zu unserem Hotel nach Osnabrück brachte. Als Erinnerung bleibt in unserem Herzen, ein unbeschreibbares Gefühl, von der so natürlichen Gastfreundschaft, die uns jederman bot, den wir in Westerkappeln kennenlernten.

The End The End The End


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Letzte Änderung 03 Okt 1998

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